Ob eine Wärmepumpe im Betrieb günstiger ist als eine Gasheizung, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Frage hat aber eine überschaubare Struktur: Sie hängt an einer technischen Kennzahl und an einem Preisverhältnis. Sind beide bekannt, ist der Rest Rechnen.
Die Jahresarbeitszahl
Die Jahresarbeitszahl, abgekürzt JAZ, gibt an, wie viel Heizwärme eine Wärmepumpe über ein Jahr aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Sie berechnet sich als erzeugte Heizwärme in Kilowattstunden geteilt durch den dafür verbrauchten Strom in Kilowattstunden.
Eine JAZ von 3,5 bedeutet also: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,5 Kilowattstunden Wärme. In der Praxis liegen erreichbare Werte je nach Wärmequelle und Heizsystem üblicherweise etwa zwischen 2,5 und 4,5. [1]
Wichtig ist die Abgrenzung zum COP. Der COP ist ein Momentanwert unter definierten Prüfbedingungen. Die JAZ ist der über das Jahr gemittelte Wert im tatsächlichen Betrieb — inklusive kalter Tage, Abtauzyklen und Warmwasserbereitung. Für eine Kostenrechnung ist nur die JAZ brauchbar.
Das Preisverhältnis von Strom zu Gas
Die zweite Größe ist das Verhältnis der Arbeitspreise. Kostet Strom das Dreifache von Gas, muss die Wärmepumpe eine JAZ über 3 erreichen, um im Betrieb günstiger zu sein. Kostet Strom das Zweieinhalbfache, genügt eine JAZ über 2,5.
Die Faustregel lautet deshalb: Die Wärmepumpe ist im Betrieb günstiger, wenn die Jahresarbeitszahl größer ist als das Verhältnis von Strompreis zu Gaspreis. Beide Preise als Arbeitspreis je Kilowattstunde einsetzen, jeweils brutto.
Der Vergleich ist zusätzlich um den Kesselwirkungsgrad der Gasheizung zu korrigieren: Eine Gasheizung wandelt nicht jede bezogene Kilowattstunde Gas vollständig in nutzbare Wärme um.
Eine Beispielrechnung mit offen genannten Annahmen
Angenommen, ein Einfamilienhaus benötigt 15.000 Kilowattstunden Heizwärme im Jahr. Angenommen weiter, der Strom kostet 30 Cent je Kilowattstunde, das Gas 11 Cent je Kilowattstunde, und die Gasheizung erreicht einen Nutzungsgrad von 90 Prozent. Alle Werte sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Zusagen.
| Variante | Bezug | Energiekosten |
|---|---|---|
| Gasheizung, 90 % Nutzungsgrad | 16.667 kWh Gas | 1.833 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,0 | 5.000 kWh Strom | 1.500 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,5 | 4.286 kWh Strom | 1.286 € |
| Wärmepumpe, JAZ 2,5 | 6.000 kWh Strom | 1.800 € |
Bei diesen Annahmen liegt die Wärmepumpe ab einer JAZ von etwa 2,5 ungefähr gleichauf und wird darüber günstiger. Verschiebt sich das Preisverhältnis — etwa durch einen höheren CO₂-Preis auf Gas oder einen günstigeren Wärmepumpentarif beim Strom — verschiebt sich auch diese Schwelle.
Genau deshalb ist die Rechnung mit eigenen Zahlen aufzustellen. Der eigene Wärmebedarf steht in der letzten Gasabrechnung, die Arbeitspreise stehen in den jeweiligen Verträgen.
Was die Jahresarbeitszahl im Haus bestimmt
Die JAZ ist keine Eigenschaft des Geräts allein, sondern des gesamten Systems. Maßgeblich sind unter anderem: [1][2]
- Die Vorlauftemperatur. Je niedriger, desto besser die JAZ. Flächenheizungen arbeiten günstiger als kleine, hoch temperierte Heizkörper.
- Die Wärmequelle. Erdreich und Grundwasser liefern über das Jahr konstantere Temperaturen als Außenluft.
- Der Dämmstandard des Gebäudes und damit die benötigte Vorlauftemperatur an kalten Tagen.
- Die Warmwasserbereitung. Sie verlangt höhere Temperaturen als die Raumheizung und drückt die JAZ.
- Die Auslegung und hydraulische Einstellung der Anlage nach dem Einbau.
Was diese Rechnung nicht abbildet
Der Vergleich oben betrachtet ausschließlich Energiekosten. Nicht enthalten sind Anschaffung und Einbau, mögliche Förderung, Wartung und Schornsteinfeger, Reparaturen, ein eventuell nötiger Austausch von Heizkörpern sowie die Restlebensdauer der vorhandenen Anlage.
Diese Posten unterscheiden sich von Haus zu Haus so stark, dass eine allgemeine Zahl irreführend wäre. Für die Entscheidung selbst sind sie oft wichtiger als die Betriebskostendifferenz. Eine unabhängige Energieberatung kann den Wärmebedarf und die erreichbare Vorlauftemperatur für das konkrete Gebäude ermitteln.
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Quellen
- Verbraucherzentrale: Wärmepumpe — Funktion, Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Einordnung der Jahresarbeitszahl und der Einflussgrößen. verbraucherzentrale.de
- Umweltbundesamt: Wärmepumpen. Technische Grundlagen, Wärmequellen und Effizienz im Gebäudebestand. umweltbundesamt.de
- Bundesnetzagentur: Strompreise und Preisbestandteile. Grundlage für den angesetzten Arbeitspreis. bundesnetzagentur.de
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Energie-, Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Rechenbeispiele sind vereinfachte Illustrationen, keine Prognosen und keine Zusagen. Tatsächliche Beträge können höher oder niedriger ausfallen.
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